Ein Anhörungsbogen der Polizei, eine Vorladung der Staatsanwaltschaft oder eine Durchsuchung am frühen Morgen: Ein Strafverfahren beginnt oft ohne Vorwarnung. Für Ärzte, Zahnärzte, Pflegekräfte, Apotheker und Verantwortliche in Kliniken, MVZ und Unternehmen des Gesundheitswesens steht dabei mehr auf dem Spiel als eine Geld- oder Freiheitsstrafe. Als Strafverteidiger im Gesundheitswesen verteidigt Prof. Dr. Christian Kanth, Fachanwalt für Medizinrecht, Leistungserbringer und darüber hinaus Geschäftsführer und Führungskräfte im Ermittlungsverfahren, vor Gericht und präventiv.
Strafrecht im Gesundheitswesen ist eng mit anderen Rechtsgebieten verzahnt. Die Staatsanwaltschaften unterrichten bei Verfahren gegen Angehörige der Heilberufe regelmäßig die Approbationsbehörden und Kammern. Ein Strafverfahren kann deshalb das Ruhen oder den Widerruf der Approbation, ein berufsgerichtliches Verfahren, die Entziehung der vertragsärztlichen Zulassung und arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wir planen die Verteidigung von Anfang an so, dass sie diese Folgen mitdenkt.
Auf dieser Seite erhalten Sie einen Überblick über unsere Tätigkeitsfelder im Strafrecht: Medizin-, Arzt- und Krankenhausstrafrecht, Pharmastrafrecht, Korruptionsstrafrecht, Wirtschaftsstrafrecht sowie die Begleitung im Ermittlungsverfahren und die Prävention. Die Kanzlei hat ihren Sitz in Gersthofen bei Augsburg und wird im gesamten süddeutschen Raum sowie bundesweit mandatiert.
Im Medizinstrafrecht geht es um Straftaten, die im Zusammenhang mit der Ausübung eines Heilberufs stehen. Häufigster Anlass ist der Vorwurf eines Behandlungsfehlers, der zu Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung (§ 229 StGB) oder fahrlässiger Tötung (§ 222 StGB) führt. Hinzu kommen Vorwürfe wegen eines Eingriffs ohne wirksame Einwilligung, der Verletzung der Schweigepflicht nach § 203 StGB, unrichtiger Gesundheitszeugnisse nach § 278 StGB oder ärztlich nicht begründeter Verschreibungen von Betäubungsmitteln.
Nicht jeder Behandlungsfehler ist strafbar. Im Strafverfahren muss zur Überzeugung des Gerichts feststehen, dass gerade die Sorgfaltspflichtverletzung den Schaden verursacht hat. Die Beweiserleichterungen des Arzthaftungsrechts, etwa bei einem groben Behandlungsfehler nach § 630h Abs. 5 BGB, gelten hier nicht. Viele Verfahren lassen sich deshalb durch eine fundierte Stellungnahme zur medizinischen Sachlage ohne Hauptverhandlung beenden. Laufen parallel zivilrechtliche Ansprüche, stimmen wir beide Verfahren mit Blick auf das Arzthaftungsrecht aufeinander ab.
In der arbeitsteiligen Medizin ist jeder Beteiligte grundsätzlich für seinen eigenen Aufgabenbereich verantwortlich. Neben dem behandelnden Arzt können aber auch Chefärzte, ärztliche Direktoren und Geschäftsführung in den Fokus geraten, wenn ein Schaden auf mangelhafte Organisation, unzureichende Dienstpläne oder Hygienemängel zurückgeht.
Erhalten Sie nach einem Behandlungsfall eine Vorladung, lassen Sie zunächst Akteneinsicht nehmen, bevor Sie sich gegenüber Polizei oder Staatsanwaltschaft zur Sache äußern.
Entwicklung, Herstellung, Vertrieb und Bewerbung von Arzneimitteln und Medizinprodukten sind dicht reguliert, viele Pflichten sind straf- oder bußgeldbewehrt. Die einschlägigen Strafvorschriften finden sich vor allem in den §§ 95 und 96 des Arzneimittelgesetzes (AMG), in § 14 des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) und im Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz. Typische Vorwürfe betreffen das Inverkehrbringen bedenklicher oder gefälschter Arzneimittel, Qualitätsmängel, Verstöße bei klinischen Prüfungen, irreführende Werbung und die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel ohne Verschreibung.
Ein Unternehmensstrafrecht im eigentlichen Sinn gibt es in Deutschland nicht. Verantwortlich sind die handelnden Personen, etwa Geschäftsführer, die sachkundige Person nach § 14 AMG oder der Stufenplanbeauftragte. Gegen das Unternehmen selbst kann nach § 30 OWiG eine Geldbuße festgesetzt werden, zudem können Taterträge nach den §§ 73 ff. StGB eingezogen werden. Im Pharmastrafrecht verteidigen wir Verantwortliche, vertreten Unternehmen und beraten Apotheken, Großhändler und Hersteller.
Gibt es Hinweise auf einen Qualitätsmangel oder fordert eine Behörde Unterlagen an, lassen Sie die strafrechtlichen Risiken einschätzen, bevor Sie Stellung nehmen.
Seit dem 4. Juni 2016 sind Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen nach den §§ 299a und 299b StGB strafbar. Erfasst sind Vorteile, die als Gegenleistung für eine unlautere Bevorzugung bei der Verordnung von Arznei-, Heil- oder Hilfsmitteln oder Medizinprodukten, beim Bezug bestimmter Produkte oder bei der Zuführung von Patienten oder Untersuchungsmaterial gefordert, angenommen oder gewährt werden. Die Vorschriften gelten für alle Heilberufe mit staatlich geregelter Ausbildung, unabhängig davon, ob der Patient gesetzlich oder privat versichert ist. Für Ärzte im öffentlichen Dienst gelten zusätzlich die §§ 331 ff. StGB.
Viele Korruptionsverfahren betreffen Kooperationen, die die Beteiligten lange für zulässig gehalten haben, etwa Berater- und Referentenverträge, Anwendungsbeobachtungen, Honorararztverträge mit Kliniken oder Beteiligungsmodelle. Entscheidend ist, dass Leistung und Gegenleistung angemessen sind und kein Zusammenhang mit Verordnungen oder Zuweisungen besteht. Im Korruptionsstrafrecht verteidigen wir gegen entsprechende Vorwürfe und prüfen Kooperationsverträge, bevor Ermittlungen beginnen.
Lassen Sie bestehende Kooperationsverträge anwaltlich prüfen, bevor eine Behörde, eine Krankenkasse oder ein Wettbewerber Fragen stellt.
Im Wirtschaftsstrafrecht des Gesundheitswesens ist der Abrechnungsbetrug nach § 263 StGB der häufigste Vorwurf. Er betrifft etwa die Abrechnung nicht oder nicht persönlich erbrachter Leistungen, unzulässige Delegation, falsche Leistungsziffern oder verdeckte Anstellungsverhältnisse in Gemeinschaftspraxen. Nach der vom Bundessozialgericht entwickelten streng formalen Betrachtungsweise, die auch die Strafgerichte der Schadensberechnung zugrunde legen, kann der Schaden dem gesamten Honorar entsprechen, auch wenn die Leistung medizinisch einwandfrei erbracht wurde. Entscheidend für die Verteidigung ist häufig die Frage des Vorsatzes, denn nicht jeder Abrechnungsfehler ist Betrug.
Daneben verteidigen wir bei Vorwürfen der Untreue nach § 266 StGB, der Unterschlagung nach § 246 StGB und des Vorenthaltens von Arbeitsentgelt nach § 266a StGB, etwa beim Einsatz von Honorarärzten oder freiberuflichen Pflegekräften. In der Unternehmenskrise drohen Geschäftsführern Verfahren wegen Insolvenzverschleppung nach § 15a InsO und wegen Bankrotts. Im Wirtschaftsstrafrecht verteidigen wir branchenübergreifend Geschäftsführer, Vorstände und Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen, mit besonderem Schwerpunkt im Gesundheitswesen.
Kündigt die Kassenärztliche Vereinigung eine Plausibilitätsprüfung an oder fordert eine Krankenkasse Honorare zurück, lassen Sie Ihre Stellungnahme anwaltlich vorbereiten, weil sie später auch im Strafverfahren Bedeutung erlangen kann.
Die meisten Strafverfahren werden im Ermittlungsverfahren entschieden. Ob ein Verfahren nach § 170 Abs. 2 StPO mangels Tatverdachts eingestellt wird, gegen eine Auflage nach § 153a StPO endet oder zur Anklage führt, hängt maßgeblich von den ersten Schritten ab. Als Beschuldigter haben Sie das Recht zu schweigen und jederzeit einen Verteidiger zu befragen (§ 136 StPO). Umfassende Akteneinsicht erhält nach § 147 StPO der Verteidiger. Eine Stellungnahme sollte deshalb erst nach Aktenkenntnis erfolgen.
Bei einer Durchsuchung gilt: Ruhe bewahren, den Durchsuchungsbeschluss aushändigen lassen, sofort die Verteidigung informieren und keine Angaben zur Sache machen. Der Beschlagnahme von Unterlagen sollte ausdrücklich widersprochen werden. Patientenunterlagen sind zwar grundsätzlich vor Beschlagnahme geschützt, dieser Schutz entfällt aber regelmäßig, wenn der Arzt selbst Beschuldigter ist.
Mindestens ebenso wichtig ist die Vorbeugung. Wir prüfen Kooperationsverträge, Abrechnungsabläufe, den Status von Honorarkräften und die Außendarstellung auf strafrechtliche Risiken und erstellen mit Ihnen einen Ablaufplan für den Fall einer Durchsuchung. So ergänzt die strafrechtliche Prävention das Risikomanagement für Praxen und Kliniken.
Haben Sie von Ermittlungen erfahren oder befürchten Sie, dass ein Verfahren eingeleitet werden könnte, nehmen Sie Kontakt auf, bevor Sie gegenüber Behörden Angaben machen.
Prof. Dr. Christian Kanth ist Fachanwalt für Medizinrecht und Fachanwalt für Arbeitsrecht und berät und vertritt Mandanten auch im Strafrecht. Er wurde im Medizinrecht promoviert, lehrt als Professor an der Hochschule für angewandtes Management in Ismaning und ist Lehrbeauftragter an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg. Als aktiver Rettungssanitäter und ehrenamtlicher Justiziar des BRK Nordschwaben kennt er die Abläufe im Gesundheitswesen auch aus der Praxis. FOCUS zeichnete ihn 2024, 2025 und 2026 als Top-Anwalt aus.
Ein Mandat verläuft in der Regel in folgenden Schritten:
Mandanten kommen aus der Region Augsburg, Ulm, Ingolstadt und Donau-Ries, aus dem gesamten süddeutschen Raum und aus dem übrigen Bundesgebiet.
Melden Sie sich möglichst früh, damit Fristen gewahrt bleiben und die Verteidigung von Beginn an auf Ihre Situation abgestimmt ist.
Die Kanzlei verteidigt vor allem Leistungserbringer aus dem Gesundheitswesen, also Ärzte, Zahnärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Apotheker sowie Verantwortliche in Praxen, MVZ, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Darüber hinaus verteidigen wir Geschäftsführer und Führungskräfte im Wirtschaftsstrafrecht. Die Beratung erfolgt im Ermittlungsverfahren, vor Gericht und präventiv.
Als Beschuldigter nicht. Sie müssen weder bei der Polizei erscheinen noch sich zur Sache äußern. Einer Ladung der Staatsanwaltschaft oder des Gerichts müssen Sie dagegen folgen, auch dort dürfen Sie aber schweigen. Zeugen müssen bei der Polizei erscheinen, wenn die Ladung im Auftrag der Staatsanwaltschaft erfolgt. Holen Sie vor jedem Termin anwaltlichen Rat ein.
In der Regel ja. Nach den Anordnungen über Mitteilungen in Strafsachen unterrichten die Staatsanwaltschaften die zuständigen Behörden und Kammern über Strafverfahren gegen Angehörige der Heilberufe. Die Behörde kann bereits während des Ermittlungsverfahrens das Ruhen der Approbation prüfen. Straf- und Approbationsverfahren sollten deshalb von Anfang an aufeinander abgestimmt werden.
Nicht unbedingt. Ein Strafbefehl erspart die öffentliche Hauptverhandlung, steht nach Rechtskraft aber einem Urteil gleich. Die Approbationsbehörde kann die darin festgestellten Tatsachen in der Regel ihrer eigenen Entscheidung zugrunde legen. Gegen einen Strafbefehl kann innerhalb von zwei Wochen Einspruch eingelegt werden. Ob das sinnvoll ist, sollte mit Blick auf Approbation und Berufsrecht entschieden werden.
Nein. Strafbar ist ein Behandlungsfehler nur, wenn er auf einer Sorgfaltspflichtverletzung beruht und nachweislich den Gesundheitsschaden oder den Tod verursacht hat. Die Beweiserleichterungen des Arzthaftungsrechts gelten im Strafverfahren nicht. Viele Verfahren werden deshalb eingestellt, wenn sich die Ursächlichkeit nicht sicher feststellen lässt.
Bewahren Sie Ruhe, lassen Sie sich den Durchsuchungsbeschluss aushändigen und informieren Sie sofort Ihren Verteidiger. Machen Sie keine Angaben zur Sache, auch nicht in informellen Gesprächen. Widersprechen Sie der Beschlagnahme von Unterlagen und lassen Sie sich ein Verzeichnis der sichergestellten Gegenstände geben. Bitten Sie um Kopien von Patientenunterlagen, die für laufende Behandlungen benötigt werden.
Nein. Betrug setzt eine vorsätzliche Täuschung voraus. Wer eine Abrechnungsbestimmung falsch ausgelegt oder versehentlich eine falsche Ziffer angesetzt hat, handelt in der Regel nicht vorsätzlich. Das kann allerdings sozialrechtliche Rückforderungen auslösen. Ob die Staatsanwaltschaft Vorsatz annimmt, hängt häufig von Umfang, Dauer und Systematik der Fehler ab.
Ja, wenn eine tatsächlich erbrachte Leistung angemessen vergütet wird, etwa ein Vortrag oder die Mitwirkung an einer Studie. Strafbar wird es, wenn der Vorteil als Gegenleistung für eine unlautere Bevorzugung bei Verordnungen, beim Bezug von Produkten oder bei der Zuweisung von Patienten gewährt wird. Kooperationen sollten transparent gestaltet und dokumentiert sein.
Ja. Die Kanzlei hat ihren Sitz in Gersthofen bei Augsburg und wird im gesamten süddeutschen Raum sowie bundesweit mandatiert. Besprechungen sind persönlich, telefonisch oder per Videotelefonie möglich. Hauptverhandlungen begleiten wir auch an auswärtigen Gerichten.
So früh wie möglich, am besten bereits bei ersten Anzeichen für ein Ermittlungsverfahren. Spätestens vor einer Vernehmung, vor einer schriftlichen Stellungnahme und vor der Herausgabe von Unterlagen ist anwaltlicher Rat unverzichtbar. Frühzeitige Verteidigung verhindert Erklärungen, die sich später nicht mehr korrigieren lassen, und schützt auch Approbation und Zulassung.